Sprachentwicklungsverzögerung

Unter Sprachentwicklungsverzögerung versteht man das Zurückbleiben der normgerechten Sprachentwicklung bei Kindern unter drei Jahren in allen Sprachbereichen um mehr als sechs Monate. Hierbei sind die Aussprache, der Wortschatz und die grammatischen Fähigkeiten in gleichem Umfang verzögert. Ab einem Alter von drei Jahren wird von einer Sprachentwicklungsstörung gesprochen.

 

Informationen zur Sprachentwicklung

So können Sie die Sprachentwicklung Ihres Kindes unterstützen

  • Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Kind. Versuchen Sie, sich regelmäßig mit Ihrem Kind in Ruhe zu unterhalten. Seien Sie hierbei ein aufmerksamer Zuhörer und versuchen nicht, zu viel selber zu reden
  • Sprechen Sie verständlich, aber verwenden Sie keine Art Babysprache. Versuchen Sie, Ihr Kind nicht zu über- oder unterfordern. Probieren Sie, die Wortwahl, den Satzbau und die Länge Ihrer Sätze den Fähigkeiten Ihres Kindes anzupassen
  • Schauen Sie Ihr Kind an, wenn Sie mit ihm sprechen. Dadurch zeigen Sie Gesprächsbereitschaft und Interesse. Sofern Ihr Kind noch klein ist, hilft ihm der Blickkontakt, Ihre Äußerungen anhand der begleitenden Mimik und Gestik leichter zu verstehen
  • Führen Sie Selbstgespräche. Beschreiben Sie, was Sie sehen wie z.B.: "Der Löffel liegt auf dem Tisch". Kommentieren Sie Ihr Handeln: "Ich nehme den Löffel und rühre mal die Milch um". Kommentieren Sie die Situation: "Die Milch ist noch zu heiß, du musst pusten". Warnung: lassen Sie sich und Ihrem Kind trotzdem sprachfreie Räume. Ständige Selbstgespräche sind für alle Beteiligten anstrengend und führen dazu, dass das Interesse an einer wirklichen Kommunikation erlahmt
  • Begleiten Sie die Handlungen Ihres Kindes mit Sprache. Achten Sie darauf, dass Ihre Worte gleichzeitig zur Handlung und zum Erleben ablaufen. Das Versprachlichen sollte eher nebenbei und nicht zu aufdringlich erfolgen: "Du pustest so fest, dass die Milch Wellen schlägt". Auch hier kommt es auf die richtige Dosierung an. Oft ist mehr nicht unbedingt besser
  • Nehmen Sie fehlerhafte Äußerungen Ihres Kindes unbefangen an. Gehen Sie positiv auf die Äußerungen Ihres Kindes ein, auch wenn sie formal nicht korrekt sind. Der Inhalt ist wichtiger als die Form. Dieses Verhalten fördert die Sprechfreude Ihres Kindes und ermöglicht es ihm, positive Erfahrungen mit der Sprache zu machen und diese zu verbessern
  • Wiederholen Sie selbst korrekt, was Ihr Kind fehlerhaft gesagt hat. Versuchen Sie hierbei den Dialog weiter zu führen: "Der Mils ist heiß." "Ja, die Milch ist heiß und deshalb müssen wir jetzt zusammen pusten." Nicht jede fehlerhafte Äußerung des Kindes muss auf diese Art korrigiert werden. Wenn Sie zu schematisch vorgehen, kann das den Mitteilungsdrang Ihres Kindes bremsen. Durch die verbesserte Wiederholung erhält Ihr Kind eine inhaltliche Bestätigung seiner Äußerungen in sprachlich korrekter Form, ohne das Gefühl zu haben, falsch zu sprechen. Die Sprechfreude und das Selbstwertgefühl bleiben erhalten
  • Vermeiden Sie abwertende Bemerkungen wie: "Sprich richtig", "Nimm Dir ein Beispiel an deinem Bruder". Drohen Sie nicht mit Strafen. Vermeiden Sie Ironie, weil Kinder sie in der Regel nicht verstehen können
  • Verbessern Sie Ihr Kind nicht direkt, wenn es einen Fehler gemacht hat: "Das heißt nicht Tatze, sondern Katze". Setzen Sie lieber die verbesserte Wiederholung (s.o.) ein und korrigieren die Äußerungen unaufdringlich
  • Lassen Sie Ihr Kind nicht Wörter nachsprechen, die es noch nicht beherrscht: "Sag noch mal richtig: Katze"
  • Fragen Sie Ihr Kind keine sprachlichen Fähigkeiten ab. Zwingen Sie Ihr Kind nicht zu sprechen, wenn es dazu keine Lust hat
  • Geben Sie keine Ratschläge wie z.B.: "Sprich langsam und deutlich, denk erst nach und rede dann". Diese können zu dem Gefühl führen, den Ansprüchen nicht zu genügen und hemmen die Sprechfreude
  • Fördern Sie den Entdeckungsdrang Ihres Kindes. Ermöglichen Sie ihm neue Erfahrungen zu sammeln, andere Orte oder neue Menschen kennen zu lernen. Erweitern Sie den Erfahrungshorizont Ihres Kindes. Unternehmen Sie Spaziergänge im Wald oder Zoobesuche, gehen Sie ins Schwimmbad, pflücken Sie Blumen auf einer Wiese usw. All diese Unternehmungen bieten Anlässe zum sprachlichen Austausch
  • Spielen Sie mit Ihrem Kind altersgemäße Spiele
  • Schauen Sie sich gemeinsam Bilderbücher an und reden über das, was sie gemeinsam auf den Bildern entdecken
  • Basteln Sie mit Ihrem Kind Sachen, die zur Jahreszeit passen
  • Singen Sie Lieder, setzen Sie Abzählverse ein
  • Schaffen Sie sich Verbündete: Weihen Sie Großeltern und Verwandte in Ihr Vorgehen ein und ziehen Sie gemeinsam an einem Strang. Ihr Kind braucht Annahme und Unterstützung von allen Seiten
  • Zuletzt noch etwas zur Therapie. Wenn Sie mit Ihrem Kind in Behandlung sind, nehmen Sie die Therapietermine kontinuierlich wahr. Unregelmäßig durchgeführte Therapien sind wie ein Tropfen auf dem heißen Stein und werden in der Regel nicht erfolgreich verlaufen

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